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Boykottaufruf wegen Mord an del Pinto |
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Touristik
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Dienstag, den 22. Juli 2008 um 12:51 Uhr |
Auf Grund der
Verschleppungstaktik der thailändischen Justiz hat sich eine Gruppe von
Freunden und Familienmitgliedern des durch einen Polizisten
ermordeten Ernest Del Pinto (Korrektur: Leo del Pinto) in Kanada zu drastischeren Schritten
entschlossen. Busse mit Boykottaufrufen gegen Urlaub in Thailand, eine Petition
an die Regierung, Presseerklärungen und die Kontaktsuche mit internationalen
Medien, sollen Druck auf die thailändischen Organe ausüben, endlich eine Prozess
gegen den
Todesschützen anzustrengen.
Die Freunde und Familienmitglieder des Rucksacktouristen, der durch einen
Polizisten in Thailand erschossen wurde, begannen mit einer landesweiten
Plakatkampagne in Kanada, in dem sie verlangen, dass der Mörder vor Gericht
gestellt wird. Die Kampagne soll auf die USA und weitere Länder ausgedehnt
werden, falls immer noch keine angemessene Reaktion erfolgt. Die treibende Kraft
bei der "Suche nach Gerechtigkeit" ist Ernest Del Pinto aus Calgary, Alberta,
dessen 25 jähriger Sohn durch einen Polizisten im Dorf Pai im Nordern von
Thailand erschossen wurde. 
Linienbusse in Calgary tragen jetzt schon die Plakate "Kanadier in
Thailand ermordet, Wann wird Recht gesprochen?" Die Organisateure, die auch
Unterschriften für eine Petition sammeln, wollen in einem nächsten Schritt Busse
in Ottawa und Vancouver ausstatten und dann weitere Schritte beschließen.
Diese Aktionen sind die Folge der Tatsache, dass in Thailand jede Art von
Aktivität vermisst wird, und die Äußerung der thailändischen
Menschenrechtskommission im Januar, dass der Fall vertuscht werden solle. Wie
man verschiedenen Foren und auch Zuschriften unserer Leser entnehmen kann, gibt
es eine allgemeine Vermutung, dass die Justiz zwischen Thailändern und
Ausländern mit Zweierlei Maß misst, wobei es fast immer zu einer Diskriminierung
des Ausländers kommen soll.
Und so kommt es nun erstmalig zu einem Aufruf des Vaters (dritter von
links), der alle Kanadier auffordert, auf Urlaub in Thailand zu verzichten, bis
der Fall aufgeklärt ist.
Leo Del Pinto war in die Brust und in den Kopf geschossen worden. Die
kanadische Freundin (und Zeugin) Carly Reisig, 24, aus Chilliwack, B.C., erhielt
einen Schuss knapp neben das Herz, den sie aber überlebte. Nach dem Schuss hatte
der örtliche Polizeichef Sombat Panya erklärt, dass die Kanadier einen nicht
provozierten Angriff auf den Polizei-Unteroffizier Uthai Dechawiwat
gemacht hätten, nachdem zwischen den beiden Kanadiern ein Streit ausgebrochen
wäre.
Utai, der erklärte, dass er in Notwehr schoss, als er zu Boden fiel, und
dass seine Automatic einen sehr leichten Abzugswiderstand hätte. Zeugen und die
Autopsie durch einen der führenden Pathologen Thailands, Dr. Pornthip Rojanasund
widersprechen aber der Darstellung der Polizei.
Demnach war Leo auf den Boden gefallen. Er erhielt zunächst einen Schuß in
die Brust und dann einen zweiten Schuss genau in den Kopf, nachdem er gefallen
war. Zeugen, zum Zeitpunkt als sie in einem Zeugenschutzprogramm waren, sagten
aus, dass Uthai seine Pistole zu Reisig geschwenkt hatte, bevor er sie in die
Brust schoss.
Der thailändische Premierminister Samak Sundaravej ordnete bereits vor
Monaten an, dass das thailändische DSI (Department of Special Investigation) den
Fall untersuchen solle. Aber die Polizei war nicht kooperativ dabei, gegen einen
Kollegen zu ermitteln.
Der Sprecher der Familie, Ross Fortune sagte: "Der betreffende Polizist
ist immer noch in Freiheit und läuft über die Strassen und trinkt Alkohol in
Bars. Kann man da nicht verstehen, dass die Familie darüber erregt ist?" In
Bangkok erklärte Kamol Kamultrakul gegenüber kanadischen Medien: "Wir werden uns
mit dem DSI in Verbindung setzen, um über die Fortschritte zu diskutieren."
Vor vier Jahren waren die englischen Rucksacktouristen Vanessa Arscott, 23
und Adam Lloyd, 24, aus der Grafschaft Devon, durch einen thailändischen
Polizisten in Kanchanaburi am River Kwai erschossen. Zeugen verweiterten aus
Angst die Aussage gegen den Polizisten, Unteroffizier Somchai Wisetsingh. Er
wurde trotzdem auf Grund von pathologischen Untersuchungsergebnissen verurteilt.
Daher stehen die Chancen gut, dass auch Uthai verurteilt werden könnte, wenn es
erst zu einem Verfahren kommen sollte.
Bisher wurde noch nie ein Polizist für so genannte außergesetzliche
Tötungen, auch an Unschuldigen, im Rahmen des im Jahr 2003 durch die Regierung
ausgerufenen Kriegs den Drogen zur Rechenschaft gezogen worden, der über 2000
Tote gefordert hatten. Eine Untersuchungskommission hatte herausgefunden, dass
mehr als die Hälfte der Toten in keinerlei Verbindung zu Drogen standen, und
dass kein einziger Polizist, auch wenn er geständig war, jemals angeklagt worden
war. Der vollständige Bericht wurde auch unter der letzten Militärregierung als
GEHEIM eingestuft. Die Veröffentlichung würde die Sicherheit des Landes
gefährden.
Trotz allem, müssen diese Dinge im Zusammenhang mit den Zahlen gesehen
werden. Millionen von Touristen, hundertausende von Polizisten. Die Fälle des
Zusammenstosses von Ausländern mit Polizisten, die einen tödlichem Ausgang sind
verschwindend gering. Aber gerade deshalb sollte Regierung und Justiz alles
daran setzen, nicht den Anschein zu erwecken, die Sache vertuschen zu wollen,
denn das lässt die vielen tausend Polizisten, die Ausländern gegenüber
freundlich eingestellt sind, in einem schlechten Licht erscheinen und schadet
der Tourismusindustrie.
FreeThai
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