Blutiger Mai 1992 – Teil 1
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Geschichte
Donnerstag, den 01. Mai 2008 um 02:00 Uhr
chati.jpgUm die Umstände und Einzelheiten des blutigen Mai 1992 zu verstehen, muss man ein paar Jahre zurückgehen. Wir fangen im Jahr 1989 an. Chatichai war Premierminister, aber sowohl Armeekommandeur Chavalit als auch der stellvertretende Armeekommandeur Suchinda, versuchten die Unzufriedenheit des Palastes für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. (Anmerkung: Erstaunlicherweise meldet sich Chavalit auch heute noch zu Wort, zum Beispiel, als er am 11. April 2008 in der Glossar Bangkok Post die Verfassungsänderungen als unwichtig abtat.) Beide hofften ein neuer Prem zu werden . (Anmerkung: General Prem hatte 8 Jahre als vom König ernannter aber nie gewählter Ministerpräsident das Land regiert.)

Als im August 1989 Chatichai-Berater Sukhumbhand die Kritik der Militärs zurückwies und sagte, dass die Militärs das eigene Haus säubern, und sich aus der Politik heraushalten sollten, antwortete Chavalit und Suchinda mit der Versammlung von 1000 Offizieren in einer bedrohlichen, alkoholumwölkten Demonstration in einem Hotel in Zentral Bangkok. Um die Bedrohung eines erneuten Militärputsches zu verringern, wurde Sukhumbhand zum Rücktritt gezwungen. Dann ernannte Chatichai Chavalit zum Verteidigungsminister.

Chavalit sah dies als Meilenstein zum Amt des Premierministers an und trat von seiner Stelle beim Militär zurück, und übernahm die neue Aufgabe. Sein Nachfolger als oberster Befehlshaber war General Sunthorn Kongsompong, ein „korrupter, anpassungsfähiger Playboy“, wie er in Publikationen genannt wurde.

Suchinda in Machiavelli-Manier arbeitete sich zum Armeekommandeur hoch, der die wahren Macht im Militär innehat. Hinter ihm stand die Chulachomklao Militär-Akademie-Klasse 5, „die am meisten zusammenhaltende, ambitionierte und korrupteste Klasse, die die Schule je hervorgebracht hatte“, wie Paul Handely in seinem Buch „The King never smiles“ schreibt. Sie unterstützten sich gegenseitig geschickt dabei, Beförderungen zu fördern, hielten sich aber immer auf der Seite von Prem, dem Vertrauten des Königs, und dem Teil des Hofes, der der Königin zugeneigt war. Sie arbeiteten wie eine hoch integrierte politische Kraft. Sie betrieben Investment-Clubs, machten gemeinsam Investitionen, handelten gemeinsam an der Börse, Sie arbeiteten mit Bestechung und anderen Methoden und jeder von ihnen hatte in den späteren Achtzigerjahren Millionen von US-Dollars auf die Seite geschafft.
In seinem neuen Job stellte sich Suchinda als weitaus gefährlicher für die Regierung heraus, als dies Chavalit war. Er brachte seine Klassenkameraden aus Klasse 5 mit. Vier der fünf Top-Generäle waren von dieser Gruppe, was es ihnen über die nächsten 5 Jahre ermöglichte, das Militär zu dominieren. Im März 1989 warnte Suchinda, dass er keine Einflussnahme auf das Militär durch die Politik dulden würde. Er weigerte sich auch, einem Militärputsch abzuschwören. Wenn Politiker Anschuldigungen wegen Korruption im Militär erhoben, antwortete Suchinda bedrohlich, dass sie das nichts angehen würde. Aber als Chavalit im Parlament als korrupt angegriffen wurde und seine geschäftemacherische Frau als „wandelnder Schmuckkasten“ bezeichnet wurde, brach Suchinda einen Besuch in Singapur ab und organisierte hastig ein Treffen mit Chavalit, Chatichai und Prem.

Der Eindruck war, dass Prem, und hinter ihm König Bhumibol Abdulyadej, um Erlaubnis gefragt wurden, Chatichai zum Rücktritt zu zwingen und die Gewalt den Generälen zu übergeben, so wie der Coup Prems mit königlicher Unterstützung im Jahr 1980. Chatichai weigerte sich aber zurückzutreten und ging selber zum König. Was dort beredet wurde, erschien nie in der Öffentlichkeit, aber als er aus dem Gespräch kam, hielt er immer noch an der Position des Premierministers fest. Chavalit trat vom Kabinett zurück und am nächsten Tag marschierten Soldaten aus verschiedenen Städten zur Unterstützung an und organisierten Demonstrationen. Es brauchte mehrere Tage, bis der Geruch des Militärputsches verschwand.

Niemand war sich sicher, wie die Position des Palastes interpretiert werden sollte. Einige schlossen, dass König Bhumibol sich auf die Seite der demokratischen Prinzipien geschlagen hätte, andere Spekulationen besagten, dass, obwohl er bereit war Chatichai gegen eine andere, militärisch dominierte Regierung einzutauschen, er von Chavalit`s eigenen politischen Ambitionen und seltsamen Ideen wenig angetan war. Nach dieser Meinung war nicht der Militärputsch das Problem, sondern Chavalit. (In den Achtzigern machte Chavalit einige weit schweifenden, erstaunlichen Mitteilungen über das thailändische politische System, in dem er eine „Revolution durch die Menschen“ ins Spiel brachte und eine Regierung mit einem „Präsidium“ vorschlug, wobei er das englische Wort „President“ benutzte. Einigen erschienen die beiden Begriffe nahe dem Kommunismus. Chavalit hatte damals einen Berater, der ex-Kommunisten-Führer war.) Und es klang republikanisch. Solche Äußerungen trafen auf größtes Misstrauen bei Hofe.

Das Spiel ging weiter und fokussierte sich auf die Unterstützung des Königs und seines Agenten Prem. Um seine Position zu sichern, ernannte Chatichai Prem und dem Palast nahe stehende Minister in das Kabinett. Im August 1990 traten Virabongsa Ramangkura, Amaret Silaon, ein ehemaliger Leiter der Siam Cement, und Polizeigeneral Vasit Djkunchorn, der der persönliche Assistent des Königs seit fast zwanzig Jahren war, in das Kabinett ein.

Chavalit wandte sich vom Palast ab und gründete eine politische Partei, mit der er hoffte bei der nächsten Wahl an die Macht zu kommen. Suchinda jedoch, machte weiter damit, gegen die Regierung zu agitieren und sie zu bedrohen. Als Chatichai im November außer Landes war, erklärte Suchinda seine Kontrolle über die Sicherheit der Hauptstadt und verbot Demonstrationen. Dann verlangte die Armee, dass Chatichai einen weiteren Kritiker der Armee entlassen sollte. Einen Coup fürchtend, ging Chatichai direkt zu König Bhumibol in die Provinz. Direkt hinter ihm war Suchinda. Als wieder nichts Besonderes besprochen wurde, schien das wieder ein Votum des Königs für eine gewählte Regierung und gegen einen Coup zu sein.

Aber als König Bhumibol am 2. Dember 1989 nach Bangkok zurückkehrte, um seine Geburtstagszeremonien zu absolvieren, sah das nicht mehr danach aus. Begrüßt wurde er am Flughafen von der üblichen Phalanx von politischen Führern, militärischen Rängen und 400 Village Scouts. Und er sagte bei der Ankunft, dass das Militär und die Regierung sich vereinigen sollten zum gemeinsamen Guten, und dass sie Konflikte im Dialog lösen sollten, indem sie die nationalen Interessen und das Wohlergehen der Menschen in den Vordergrund stellten. Es war an der Oberfläche eine neutrale Aussage. Aber indem er die Generäle für ihre Coup-Drohungen nicht ermahnte, ihnen nicht sagte, sie sollten in die Kasernen zurück gehen, stand diese Rede als indirekte Erlaubnis für ihren Griff zur Macht.

Am nächsten Tag machten König Bhumibol und seine Familie die übliche jährliche Besichtigung der Palastwache, wobei die militärische Führung und Chatichai, da er auch Verteidigungsminister war, auf der Haupttribüne anwesend waren. Dabei verweigerten die vom Militär kontrollierten Kameraführungen das Abbilden von Chatichai, während die Anwesenheit der königlichen Familie und die der Generäle hervorgehoben wurde. Wieder schien es, als ob der König den Generälen den Vorzug geben würde. Er sagte „Die Militärs sollten ihr Wissen in maximaler Weise zur Entwicklung des Landes einsetzen … Die Militärs haben eine gute Arbeit geleistet, und die Freiheit und Souveränität des Landes verteidigt.“ Es war kaum möglich, das Militär noch mehr zu loben.

In scharfem Kontrast dazu war die direkte Kritik von König Bhumibol in Richtung Regierung Chatichai während der Geburtstagsansprache am nächsten Tag. Er antwortete auf Chatichais Begrüßung, in dem er den König für das umsichtige Führen des Landes pries, mit einem Affront. Bhumibol dankte dem Premierminister und antwortete: „Niemand kann alles alleine tun … Der König trägt derzeit nicht die Verantwortung für das Regieren des Landes. Er hat andere Dinge zu tun.“ Sein Ton und Ausdrucksweise machten seine Unzufriedenheit mit Chatichai als Diener des Königs klar. Die Nation, Bangkok Post und Associated Press brachten diese Tatsache am 5. Dezember an vorderster Stelle. 

Bhumibol schlug dann weiter vor, dass gewählte Regierungen im westlichen Stil sich nicht gut mit dem traditionellen thailändischen Stil vertrügen. Dringende Probleme verlangten nach Flexibilität, nicht die Anwendung „theoretischer Prinzipen“. Seine eigenen Wohltätigkeits- und königlichen Projekte waren überlegen, denn sie wurden nicht durch „westliche Buchhaltermethoden“ verlangsamt. Er kritisierte die Regierung nicht genügend Dämme und Deiche und Kanäle gebaut zu haben, die die jüngsten Monsoon- Überschwemmungen in den Zentralprovinzen verhindert hätten können. Die Lehrbuchlösungen der Regierung und die Prinzipien verursachten die Schäden, wie Bhumibol sagte.

Die Presse verstand, dass die Unterstützung der Regierung durch den Palast drastisch nachgelassen hatte. Alle politischen Spieler begannen nach neuen Ausgangspositionen zu suchen. Chavalit stellte einen Premanhänger, den Spezialisten für nationale Sicherheit Glossar Prasong Soonsiri in seine New Aspiration Party ein. Noch nicht Geheimrat Siddhi Savetsila zog seine Social Action Party aus der Regierung ab. Die Demokraten taten es ihm gleich. Die Ratten verließen das sinkende Schiff. Um zu überleben koalierte Chatichai mit seiner Chart Thai mit anderen Parteien, einschließlich der winzigen, vom pensionierten General Arthit geleiteten, wodurch letzterer dann stellvertretender Premierminister wurde. Gleichzeitig, indem er die internen Kämpfe der Armee nutzte, rehabilitierte er den Manager des Militärputsches von 1980, Manoon Roopkachorn, und machte ihn zum General und Leiter des Verteidigungsministeriums.

Die Clique der Klasse 5 war außer sich vor Wut und Prem und der König waren vielleicht auch unzufrieden. Für Suchinda war dies die Rechtfertigung für einen Coup. Aber die Voraussetzungen mussten noch ausgearbeitet werden. Im Januar 1991 hatte der Polizeigeneral Boonchu Wongkanont, der eine lange, hässliche Vergangenheit als Mann fürs äußerst Grobe hatte, im Auftrag von Prem und dem Palast den Mae Chamoy Chit Fund Skandal „gelöst“, und jetzt wiederbelebte er plötzlich einen Fall aus 1984, in dem ein Young Turk Militär und ein Mitglied der CPT (Kommunistische Partei Thailands) angeblich einen Anschlag auf das Leben der Königin, von Prem und Arthit geplant hätten. Damals hatte der Palast interveniert und die Sache begraben, nun wurde sie, anscheinend auf Grund der Intervention des Hofes, wieder ausgegraben. Als Chatichai reagierte, indem er Boonschuk aus der Schusslinie zog, beschuldigten Suchinda und seine Alliierten den Premierminister Personen zu schützen, die die Königin hatten töten wollten.

Am 23. Februar 1990, als Chatichai auf ein Flugzeug wartete, um zum König nach Glossar Chiang Mai zu fliegen, wurde er durch ein Luftwaffenkommando festgesetzt, während die Militärs in aller Ruhe eine neue Regierung etablierten. Am nächsten Tag traf Suchinda König Bhumibol, und im Anschluss daran verkündete er, dass der König den Putsch abgesegnet hätte, und die einzigen Anweisung wären gewesen: „Lasst die Menschen nicht im Stich.“

Es gab keinen Weg zu sagen, ob König Bhumibol wirklich wieder einem Coup zugestimmt hatte, und, diese Ungewissheit, wie viele Male vorher, schützte sein Image. Aber die Tatsache war, dass er die Tür für einen Coup während Monaten geöffnet gehalten hatte. Er und Prem hatten klar gemacht, dass die militärische Übernahme eine akzeptable Form der thailändischen Politik war. Und nachdem die Gesellschaft über Jahre zugesehen hatte, wie Chatichai bei jeder Bedrohung zum König ging um seine Unterstützung einzuholen, war die Öffentlichkeit auf eine Übernahme vorbereitet. Viele beschuldigten Chatichai selber dafür, dass es passierte. König Bhumibol`s eigene Ansicht wurde unmissverständlich als er sich einige Monate später über das Kabinett von Chatichai als „Komiker“ lustig gemacht hatte.

Auch hatte König Bhumibol nicht eingegriffen, wie es seine verfassungsmäßige Macht erlaubt hätte, und das Parlament aufgelöst. Das hätte einen Schein von Verfassungsmäßigkeit durch die erzwungenen Neuwahlen ergeben. Aber die Verfassung zu schützen und die damit verbundenen demokratische Prozesse schien im Palast keine hohe Priorität zu besitzen.

Die Texte in dieser Serie, die nicht die Meinung der Internetseite wiederspiegeln, sind Übersetzungen von englischsprachigen Veröffentlichungen, hauptsächlich basierend auf dem Buch von Paul Handley „The King Never Smiles “. Es erschien in einem Wissenschaftsverlag (Yale University Press) und wir haben versucht die Texte in der Übersetzung zu vereinfachen. Natürlich empfehlen wir, das Buch ungekürzt und in Original zu lesen. Leider ist es in Thailand verboten.

 

 

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