Blutiger Mai 1992 – Teil 3
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Geschichte
Samstag, den 03. Mai 2008 um 02:00 Uhr
bhumipol-uniform.jpgWir hatten in den letzten Artikeln die Jahre bis zum Ende 1991 beleuchtet. Zuletzt berichtet, wie König Bhumibol sich in seiner Geburtstagsrede im Dezember 1991 für die Verfassung der NPKC (Militärjunta) stark gemacht und versprochen hatte, dass die Verfassung leicht zu ändern sei. Man solle sie nur akzeptieren. Alle beugten sich dem Willen des Königs. Aber König Bhumibols Intervention zugunsten der Verfassung bedeutete, dass General Suchinda und die Generäle der Klasse 5 die Regierung für Jahre kontrollieren konnten, denn tatsächlich war eine Änderung der Verfassung nicht so einfach wie erklärt.

Da die Verfassung nicht änderbar war, konnte sich die demokratische Bewegung lediglich auf die Wahlen vorbereiten. Als 1992 begann, waren die großen Parteien schon voll im Wahlkampf. Sie gaben viel Geld dafür aus, Parlamentsmitglieder einzukaufen und Wählerstimmen. Die Hauptfrage war, ob Suchinda den Job des Premierministers für sich beanspruchen würde, oder ob er zunächst jemanden erlauben würde, ihm den Sessel vorzuwärmen.

Um die Wahlen vom 22. März 1992 zu dominieren, kontrollierte die NPKC die Sammakitham und Chart Thai Parteien, in denen sich schamlos die korruptesten und mächtigsten Politiker des Landes versammelt hatten. Ammakitham hatte als Parteiführer den nord-thailändischen Mafioso-Politiker Naron Wongwan angeworben, er war der Patron einer großen Gruppe von Parlamentariern. Vereint in ihrer Opposition gegen die Macht der NPKC, aber ohne gemeinsame politische Plattform, war Chavalits New Aspiration Partei und die Partei der Demokraten um Chuan Leekpai, (Anmerkung: der heute noch als Berater für die Demokratische Partei fungiert). Dann gab es noch die Partei des Bürgermeisters von Bangkok: Palang Dharma. Die drei Parteien führten einen Wahlkampf unter dem Motto für mehr Demokratie und für weniger militärische Kontrolle, und sie forderten, dass der Premierminister aus den Reihen der gewählten Parlamentarier kommen müsse. Dies verschob den Fokus auf Suchinda, der nicht zur Wahl antrat, und immer noch behauptete, er würde nicht auf den Job warten.

Bevor die Wahlergebnisse bekannt waren, benannten die Putschisten bereits den Senat. Wie erwartet, wurde er mit Militär und Polizei gefüllt. Nur 116 der 270 Senatoren waren Zivilisten, meist Geschäftsleute und Beamte mit Verbindungen zu den Militärs. Bei einem Treffen eine Woche nach der Wahl, ordnete Suchinda an, dass sie mit einer Stimme sprechen sollten. Es wurde vermutete, dass die gleiche wie seine gemeint war.

Im gewählten Unterhaus, kamen die Parteien der Generäle mit knapper Mehrheit ins Parlament. An diesem Abend versammelten die NPKC-Chefs Sunthorn und Kaset die Führer der Sammakitham, Chart thai, Social Action, und der kleinsten Partei des heutigen Ministerpräsidenten, der damals schon als Oldtimer galt, die Prachakorn Thai, in der Luftwaffenführung, um eine Regierung zu bilden. Die Nation, Bangkok schrieb, „dass sowohl das Treffen vor den militärischen Führern des Landes, als auch der Ort, ungewöhnlich für das Treffen von politischen Führern in einem demokratischen System seien, Die Generäle sandten ein klares Signal, dass sie jederzeit in die parlamentarischen Prozesse eingreifen konnten, wann immer es ihnen passte.“

Die Parteien nominierten Narong als Premierminister. Drei Tage später erklärte die US-Botschaft, dass früher schon Narong ein Visa verweigert worden wäre, weil er in Heroinschmuggel verstrickt sei. Es passte zu seinem Ruf und seinem ungewöhnlichen Reichtum. Mit einer ausreichenden Entschuldigung ernannten die NPKC Generäle und die Parteiführer am 3. April 1992 Suchinda als neuen Anwärter. Viele glauben, dass Narongs Nominierung ein cleverer Schachzug von Suchinda war. Suchindas Nominierung kam traf das Land wie ein zweiter Putsch.

Als die vier Oppositionsparteien die Regierung angriffen, bedeckten Studenten das Demokratiedenkmal mit schwarzen Tüchern, um den Tod der Demokratie zu symbolisieren. Aber viel mehr konnten sie nicht tun. Am 7. April 1992 übergaben General Sunthorn und Arthit Urairat, die neuen Sprecher des Unterhauses, den Namen von Suchinda dem König. Sich von Fehler reinwaschend, bestand Arthit darauf, das Sunthorn die Nominierung alleine als NPKC Leiter beschlossen hätte. Ohne auf den Aufschrei in der Bevölkerung zu achten, unterzeichnete König Bhumibol die Bestellung von Suchinda zum Premierminister.

Am nächsten Tag setzte sich der Parlamentarier Chalard Vorachart vor das Parlament und erklärte, er wolle fasten bis zum Tode, wenn Suchinda nicht zustimmen würde, zurück zu treten. Chalard, der ein paar Jahre vorher einen ähnlichen Protest gegen Prem organisiert hatte, begeisterte die Opposition. Andere Aktivisten schlossen sich sofort dem Fasten an, selbst als sie vom rechten Mob der Reg Gaur bedroht wurden.

Die Anzahl der Demonstranten wuchs jeden Tag, und als am 16. April das Parlament öffnete, konnte man die Opposition aus Protest in schwarzer Kleidung sehen. Am nächsten Tag sagte die Aufstellung des Kabinetts viel über Suchindas Ansichten als neuer Prem. Während er das Verteidigungsministerium unter seiner Kontrolle behielt und Klasse 5 Generäle auf Schlüsselpositionen setzte, wählte er ansonsten Technokraten-Veteranen aus der Prem und Anand-Ära. Hauptsächlich für die Wirtschaftspolitischen Ressorts. Das Kabinett enthielt 11 Parlamentarier aus der Regierung von Chatchai, die von den Putschisten wegen Korruption angeklagt worden waren. Sie beinhaltete auch den Politikwissenschaftler Thinnapan Nakata, ein politischer Berater von Prem, dessen Ansichten sehr denen des Königs ähnelten, und der darauf bestand, dass weder gewählte Politiker, noch die Beamtenschaft effektiv für die Menschen arbeiten würden. Kurz bevor er in das Kabinett von Suchinda eintrat, sagte er, dass er nicht an die Aufregung glaube, die man um die Demokratie machen würde. Der Fokus sollte auf die Lebensbedingungen der Menschen gerichtet sein, nicht eine Theorie. „Demokratie-Theoretiker müssen Prinzipien entwickeln die am Menschen orientiert sind…. Ich bin für die Mehrheit der Menschen. Die königlichen Institutionen sind auch für die Mehrheit der Menschen.“

Mit mehr als 40 Hungerstreikenden, einschließlich Chalard, organisierte die Opposition am 20. April 1992 eine Anti-Suchinda Demonstration mit 50.000 Menschen vor dem Parlament. Chuan und Chavalit verlangten Verfassungsänderungen, die einen Premierminister vorschrieben, der als Parlamentarier gewählt worden war, sie wollten mehr Rechte für das Unterhaus und den Senat verkleinern. Obwohl die Regierung verbot, über die Demonstrationen zu berichten, waren die Zeitungen voll davon. Chalard brach schließlich am 30. April 1992 zusammen, und wurde bewusstlos in ein Krankenhaus gebracht. Er blieb am Leben und den Demonstranten ging langsam der Mut aus.

Eine, so vermutete man, letzte große Demonstration wurde vor Sanam Luang am 4. Mai 1992 organisiert, der Tag vor den Krönungsfeiertagen. An diesem Abend hörten ca. 60.000 Thais den oppositionellen Politikern und Aktivisten zu, die die Militärs und Suchinda kritisierten, und die Verfassungsänderungen verlangten. Die Demonstranten waren friedlich und erschienen resigniert, weil der Kampf an die Zeit gegen Prem erinnerte. Dann änderte sich plötzlich alles. Als Palan Dharma Führer Chamlong das Melodrama vorlas: „Letzter Brief von Chamlong Srimuang“. Er erklärte, dass er auch in Hungerstreik treten werde, aber nicht wie Chalard, sondern ohne Wasser und Glukose oder andere Hilfen. „Ich habe es gründlich überlegt und mich entschlossen mein Leben in die Wagschale zu legen. …. Ich werde die Welt in ein paar Tagen verlassen müssen. Aber ich werde es nicht bedauern. Auf wieder sehen.“

Die Menge war tief berührt und die Regierung und der Palast waren schockiert. Chamlong ein Absolvent von Klasse 7 der Chulachomklao-Militär-Akademie, der jetzt als ein Asket lebte. Er wurde von manchen Kritikern als bizarr und exzentrisch angesehen. Während andere ihn als potenten Demagogen betrachteten. Seine Erklärung, bis zum Tode fasten zu wollen, schien die Auffassung des Establishments zu bestätigen, dass dies eine sehr Thai-untypische Art des Denkens und Handelns war.

Während der Krönungsfeiertage war es Brauch, dass der König den höchsten Mitgliedern der Regierung eine Audienz gibt und 120 Auszeichnungen an Personen des öffentlichen Lebens verleiht. Die Liste wurde angeführt von den Leitern der Putschisten und ihren Frauen, was die Demokratiebewegung als eine Beleidigung ansah. An diesem Abend bei der Gartenparty im Parlament, war die Atmosphäre nervös und defensiv. Suchinda erklärte gegenüber Reportern drohend, „Es ist nicht schwer, eine Massendemonstration zu organisieren. Ich kann fünf Millionen morgen zusammenrufen. Wollen Sie das sehen?“

Die Regierung versuchte die Herausforderung von Chamlong durch eine strenge Zensur nicht bekannt werden zu lassen. Fernsehen berichtete nur über Kabinettminister, und ältere Mönche kritisierten Chamlongs Verhalten als destruktiv für Nation – Religion – König. Der Medienberater des Königs Piya Malakul ließ auf seinem Radiosender unglaubliche Mengen an falschen Anschuldigungen über Chamlong verbreiten, Anrufer die die Regierung kritisierten, wurden abgebrochen.

Am nächsten Tag, gerade als Suchinda begann seine Regierungserklärung zu verlesen, mit allen Fernsehkanälen live zugeschaltet, verließ die Opposition geschlossen das Parlament. Jetzt sahen die Menschen, dass es nicht nur eine begrenzte Bewegung gegen Suchinda war. An diesem Abend trafen sich geschätzte 80.000 Menschen friedlich neben dem Parlament, als Chamlongs Frau und verschiedene andere ihn in seinem Fasten begleiteten. Zu diesem Zeitpunkt wurde dem König eine Petition von einer Gruppe besorgter Akademikern übergeben, die von Dr. Prawase Wasi angeführt wurden. Einem respektierter Buddhisten mit hoher ethischer Anerkennung, den Bhumibol seit den Fünfzigerjahren kannte. Sie erklärten dem König, dass die Militärs die Menschen betrogen hätten, indem sie den Putsch von 1991 in einer permanenten Machtausübung zementiert hätten. Sie befürchteten, dass, wenn Chamlong sterben würde, ein blutiges Chaos ausbrechen würde. Der König gab keine offizielle Antwort.

Was dann an den folgenden Mai-Tagen des Jahres 1992 geschah, lesen Sie im nächsten Artikel.

Die Texte in dieser Serie, die nicht die Meinung der Internetseite wiederspiegeln, sind Übersetzungen von englischsprachigen Veröffentlichungen, hauptsächlich basierend auf dem Buch von Paul Handley „The King Never Smiles“. Es erschien in einem Wissenschaftsverlag (Yale University Press) und wir haben versucht die Texte in der Übersetzunge zu vereinfachen. Natürlich empfehlen wir, das Buch ungekürzt und in Original zu lesen. Leider ist es in Thailand verboten.



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