Es ist Anfang Mai 1992. Ein Oppositioneller erklärt
bis zum Tode zu fasten, die Opposition verlässt das Parlament, der König wird
gewarnt, dass es zu blutigen Unruhen kommen könnte, wenn Chamlong sterben
würde, und die allgemeine Erkenntnis wird verbreitet, dass die Militärs die
Menschen betrogen haben, und nach dem Putsch jetzt nach der dauerhaften Kontrolle
über das Land streben.
Tatsächlich hatten die Militärs schon Schritte zu einer blutigen Lösung
unternommen. Am Tag, als die Opposition das Parlament verließ, dem 6. Mai
1992 erklärte der neue Armeekommandeur, der Schwager von Suchinda, der
Polizei und dem Militär der Hauptstadt, den taktischen Plan, genannt Pairee
Pinat: Zerstöre den Feind. Mehr als tausend schwer bewaffnete und in
Dschungel-Tarn-Anzügen auftretenden Kämpfer und Fallschirmspringer wurden in
die Hauptstadt gebracht und in Alarm versetzt.
Am nächsten Tag kritisierte die Opposition Suchindas Politik Punkt für Punkt.
Dann stieg Suchinda auf das Podium und lieferte über fünf Minuten, live im
Fernsehen zu sehen, eine wütende Denunziation mit der er Chamlong angriff, ihn
beschuldigte den Buddhismus zu zerstören, dass er ein Kommunist und(!)
Republikaner sei. Suchinda erklärte, dass es sein Job sei, die Nation, Religion
und den König gegen solche Angriffe zu verteidigen.
In Bangkok froren die Gemüter ein, als die wütende Stimme des Premierminister erklang.
Die Börsenkurse stürzten ab und im Parlament brach die Hölle los. Suchinda
hatte die Linie für den Kampf gezogen, und mit großen militärischen Kräften
unter seinem Willen, hatte er schon bestimmt wohin es gehen sollte.
Pairee Pinat war ein taktisches Konzept um kommunistische Untergrundkämpfer und
linke Stadtguerillas zu bekämpfen. Die Taktik sah keine Polizei vor oder
moderne Ausrüstung gegen Demonstranten. Der Punkt war die methodische Unterdrückung,
durch Ermordung der Schlüsselpersonen, durch Schlagen und Erschießen von
Demonstranten und Massenverhaftungen. Es war eine Hinterlassenschaft der USA,
die diese den Verbündeten wie Süd-Korea und Thailand in den Siebziger Jahren
beigebracht hatte. Es hatte klarerweise nicht in Vietnam funktioniert, auch
nicht bei der demokratischen Bewegung in Kwangju im Jahr 1980, und ein Jahr
später beim Militärputsch waren ebenfalls 200 Koreaner ermordet worden. Ohne
dass es etwas geholfen hatte.
Als Parie Pinat gestartet wurde, wurden die Truppen mit scharfer Munition
ausgerüstet und es wurde ihnen gesagt, dass die pro-demokratischen
Demonstranten das Land gefährdetn und natürlich auch die heilige Monarchie. Sowohl der König
als auch Prem wußten über die Operation. Suchinda und Issarapong kommunizierten
regelmäßig mit den Palastoffiziellen und Prem, der außerdem eigene
Informationsquellen im Militär hatte. Es gab keine Anzeichen, dass der Palast
als Institution, oder der König als Person, diese Aktion hinterfragt hätten,
obwohl die Atmosphäre auf den Strassen an den Tagen vor dem Massaker, die
Situation vom 14. Oktober 1973 und 6. Oktober 1976, heraufbeschwor. (Wir werden im Oktober detailliert darüber berichten.)
Suchinda`s parlamentarischer Angriff schweißte 70.000 Thais zusammen, um am 7.
Mai 1992 zu demonstrieren und dabei ein Demonstrationsverbot ignorierten. Sie
verhielten sich friedlich und kooperierten mit dem kleinen Kontingent von
Polizisten, das in der Nähe waren. Am nächsten Tag reichten über 200 Akademiker
der Universitäten Thailands eine Petition beim König ein, er möge doch bitte
das Parlament auflösen oder Suchinda zwingen, zurück zu treten. Führer der Demonstranten,
die im Palast anrufen wollten, fanden nur besetzte Leitungen. Aber Chamlong und
Chavalit hatten direkte Verbindung zu Prem um sicher zu stellen, dass der Thron
ihre Sicht verstand und wahrnahm.
Suchinda derweil verfolgte die Strategie, dass er angeblich den Palast verteidigen würde.
Er empfing eine Gruppe Buddhisten und erklärte ihnen, dass er gegen politische
und religiöse Fanatiker kämpfen würde. Das vom Militär kontrollierte Radio und
Fernsehprogramm vermittelte die Idee, dass Chamlong und Chavalit Kommunisten,
Republikaner, oder beides wären. In erster Linie aber wären sie Un-Thai und er
weigerte sich, die breit basierte Unterstützung der Anti-Suchinda Bewegung
anzuerkennen.
Der König antwortete schließlich vorsichtig. Während er sich weigerte,
irgendjemanden von der Seite der Demonstranten zu treffen, rief er Suchinda und
die Militärischen Kommandeure zu sich. Was er sagte ist unklar, aber nach dem
Treffen sagte Suchinda im Radio, dass er nicht zurücktreten würde, dass er aber
auch keine gewaltsame Auflösung der Demonstrationen anordnen würde. Zur gleichen Zeit jedoch erklärten die Militärs, dass Sanam Luang für eine
buddhistische Zeremonie, an der Prinzessin Sirindhorn am Sonntag, den 10. Mai
teilnehmen sollte, geräumt werden müsse.
Am frühen Freitag-Abend kamen über 100.000 Demonstranten nach Sanam Luang.
Immer noch fastend kam Chamlong an und erklärte den Demonstranten, sie sollten
zum Parlament marschieren. Bevor sie aber einen Kilometer die breite
Rajadamnoen Road hinunter marschiert waren, wurden sie an der Panfah-Brücke durch Stacheldrahtbarrikaden aufgehalten. Dahinter waren tief gestaffelt die
Kampftruppen mit ihren automatischen Waffen. Sie blockierten den Zugang zum
Parlament und dem Chitrlada Palast. Am nächsten morgen erklärte Chamlong, dass
er sich dem Wunsch der Menge beugen, und sein Fasten aufgeben wolle. Die
Regierung gab nicht nach und drohte damit, die Strassen bis Montagmorgen
mit Gewalt zu räumen.
Jetzt intervenierte König Bhumibol offen, und drängte die politischen Parteien
die Verfassung zu ändern. Sie einigten sich darauf, dass der Premierminister
ein gewähltes Mitglied des Parlament sein müsse, verkleinerten den Senat und
einigten sich auf andere prozedurale Änderungen, die insgesamt dem Parlament
mehr Macht verliehen. Aber es wurde offen gelassen, wann die Änderungen denn in
Kraft treten sollten. Aus diesem Grunde verblieben etwa 25.000 Demonstranten am
Sonntag auf den Strassen. Für den Nachmittag wurde die beliebte Prinzessin
Sirindhorn erwartet, sie sollte den Rajadmnoen für die Zeremonie um 17:00 Uhr
hochfahren.
Dies geriet nun in den Fokus der um die Zuneigung des Thrones rivalisierenden
Parteien. Die Regierung sagte, dass die Demonstranten, indem sie die Strasse
nicht vollkommen freimachen würden, mit der Prinzessin in Konflikt geraten
würden, und so die Monarchie angriffen. Der Radiosender Jor Sor 100 verkündete,
dass die von Chamlong geführte Demonstration den Weg der Prinzessin blockieren
würde. Aber im Gegenteil, unter der Führung von Chamlong reinigten die
Demonstranten die breite Strasse und zeigten Bilder der Prinzessin schon
Stunden bevor sie erwartet wurde. Die Strasse war vollkommen offen und sicher,
wenn die königliche Eskorte vorbeifahren würde.
Aber die Prinzessin kam nie. Unter militärischem Schutz machte die königliche
Kolonne einen weiten Umweg. Die Demonstranten waren verwirrt. Traute die
Prinzessin ihnen nicht? Oder hatten die Generäle sie gehindert zu kommen?
Langsam stieg der Ärger an und der Protest begann wieder anzuschwellen bis zum
späten Sonntag Nacht. Bis schließlich die Regierung sich bereit erklärte, die
Verfassungsänderung in einem schnellen Prozess abzuschließen. Nur Stunden,
bevor die Militärs gegen die Demonstranten vorgehen wollten, lösten diese sich
auf.
Aber der vom König vermittelte Kompromiss war nicht langlebig. Am Montagabend
erklärten die Führer der Parteien Banharn und Kaset, dass sie die Vereinbarung
nicht akzeptieren würden. Tatsächlich hatten sie sich damit dem Wunsch des
Königs widersetzt. Als sie dies taten, drohte Suchinda mit harter militärischer
Vergeltung, falls die Demonstranten gewalttätig werden sollten. Aber es war die
Woche der heiligen buddhistischen Vishaka Puja Zeremonie und die Führer der
Demonstranten hatten schon beschlossen ihre Aktivitäten zu reduzieren und die
Rethorik zu zügeln.
Der Donnerstag, der 14. Mai 1992, war der Jahrestag der königlichen
Pflug-Zeremonie und die Demokratiebewegung stand still und ruhig, als König
Bhumibol, Prinz Vajiralongkorn, Prinzessing Sirindhorn den Riten bei Sanam
Luang beiwohnten. Als die königliche Familie am Samstag in den Grand Palace
ging, um dem Smaragd Buddha die Ehre zu erweisen, traten die Demonstranten
wieder respektvoll aus dem Wege.
Aber da die Regierung das Versprechen gebrochen hatte, die Verfassung zu
ändern, setzten die Demonstrationen am Sonntag, den 17. Mai 1992 wieder
ein. Jetzt wurden sie angeführt durch eine Organisation mit dem Namen Vereinigung
für Demokratie. Diese setzte sich zusammen aus den Direktoren von Nicht –
Regierungs- Organisationen, Studentenführern, Leitern politischer Parteien.
Einschließlich Chamlong und Chavalit. Sie machten klar, dass sie eine
Massenbewegung waren und nicht einfach ein Werkzeug für Chamlongs oder
Chavalits Ambitionen. Als sie ihre Forderungen nach Verfassungsänderungen
wieder aufnahmen und Suchindas Abdankung verlangten, beauftragte Suchinda
einen Klasse 5 General, der einen brutalen Ruf hatte, damit, die Proteste zu
handhaben. Die Arme versetzte 40.000 Soldaten um die Hauptstadt in Gefechtsbereitschaft
und errichtete Straßensperren weitläufig um den Chitrlada Palast herum. Die
Palasttore waren durch schwer bewaffnete Fallschirmjäger bewacht. Manchen
schien es, als ob das Militär den Palast von der Außenwelt abschneiden wollte,
statt ihn zu beschützen.
Auf dem Land brodelte es aber wegen der Vertreibung von Hunderttausenden von
Menschen durch die Miliätrs, die dann das Land an große Plantagen abgaben,
während die vertriebenen Bauern entwurzelt und ohne die zugesagten neuen
Ländereien und Wohnungen blieben. Es kam zu Demonstrationen in vielen
Provinzhauptstädten
Am 17. Mai 1992 gegen 8 Uhr
hatten sich ca. 10.000 Menschen in Sanam Luang versammelt. Es war ein
Querschnitt der Gesellschaft. Arme Arbeiter, Mittelklasseangestellten, Beamte,
Ladenbesitzer, reiche Yuppies. Sie waren wesentlich ärgerlicher als früher. Die
Vereinigung für Demokratie wollte zunächst zum Regierungsgebäude marschieren,
wo der Premierminister und das Kabinett arbeiteten. Wieder wurden sie auf der
Panfah Bridge angehalten, diesmal von einer unorganisierten Gruppe von
Verkehrspolizisten hinter Stacheldraht. Hinter diesen wartete eine Phalanx von
Kampftruppen mit Maschinengewehren und automatischen Waffen. Die meisten
Demonstranten blieben ruhig, aber einige in der Menge begannen Steine und
Flaschen zu werfen, wobei eigentlich schnell zu sehen war, dass es einige
darauf anlegten zu provozieren.
Während einiger Stunden schafften sie, es den Stacheldraht niederzuringen und
den Wasserwerfer außer Betrieb zu setzen, der die Demonstranten mit Wasser
bespritzte. Die Polizei, ohne jede Ausrüstung gegen Demonstranten, floh von der
Szene. Dies war die Entschuldigung für die Militärs einzuschreiten und den
Modus Operandi von 1973 und 1976 einzusetzen.
Die Regierung erklärte den Notstand, die Militärs gruppierten sich neu etwas
weiter unten, mit schwererem Gerät und gepanzerten Fahrzeugen. Aber die
Demonstranten folgten ihnen nicht. Die meisten blieben an der Brücke, wo ein
paar Männer einige Autos anzündeten. Wie später bewiesen wurde, waren es
beauftragte Provokateure, und beide Seiten behaupten, die jeweils andere hätte
sie beauftragt. Wobei man sich fragen muss, welchen Vorteil die Provokation für
die Demonstranten bringen sollte. Aber immer noch waren keine Waffen benutzt
worden. Die Verletzungen waren minimal.
Um 2 Uhr am Morgen waren Zweidrittel der Demonstranten nach Hause gegangen, und
auf Grund des Einwirkens von Chamlong saß der Rest friedlich an der Brücke, unterhielt
sich, sang oder döste in die Ruhe. Vollkommen unprovoziert und ohne Warnung,
marschierten am frühen Morgen des 18. Mai 1992, gegen vier Uhr am Morgen, Soldaten auf die
Brücke zu und eröffneten das Feuer auf die Menschen. Als die sich entsetzt zerstreuten,
lag eine Anzahl von Toten und viele Verletzte auf der Straße. Als die Sonne
aufging, wurde das Blut von der Straße gespritzt. Im Fernsehen hieß es, die
Demonstranten hätten versucht, den Chitrlada Palast anzugreifen. Die Militärs
behaupteten, die Demonstranten hätten zuerst geschossen. Aber es gab keinerlei
Schüsse von Seiten der Demonstranten, weder Waffen, noch nicht einmal Messer,
wurden gefunden. Niemand war in der Nähe des Palastes und es gab keine
Notwendigkeit die Strasse zu räumen, niemand musste zur Arbeit gehen.
Der Palast sammelte im Laufe des Morgens Informationen. Prem sprach mit den
Militärs. Die anderen Mitglieder des Geheimrats sprachen mit ihren Kontakten.
Aber Demokratiegruppen erzählten später, dass sie abgewiesen wurden. Es schien
nicht, dass der König die Situation überblicken würde und dass er vielleicht
nur das hörte, was Suchinda im Fernsehen erzählte, nämlich dass Chamlong`s
Demonstranten Waffen gehabt und den Thron bedroht hätten. Am frühen Montag
Morgen, nachdem Chamlong und mehrere Tausend Menschen aus Protest zurück
gekommen waren, erschienen Kampftruppen, um sie zu verhaften. Sie feuerten
dabei meist in die Luft. Aber in den Nebenstrassen, ohne die Kameras der
Reporter, zielten sie genau und mit scharfer Munition.
Am Abend wuchs die Menge am Sanam Luang an, die Zusammensetzung wurde jünger
und wilder. Die Demonstranten wurden davon abgehalten, weiter zu marschieren,
neue Barrikaden wurden aufgestellt. Und als die Dunkelheit begann, umzingelten
Kampftruppen die Demonstranten. Die Maschinengewehre hinter Stacheldraht und
Scharfschützen auf den Dächern begannen zu feuern, als die Demonstranten einige
Busse anzündeten und diese gegen die Barrikaden rollten. Die Scharfschützen auf
den Dächern suchen sich die Ziele wie auf dem Schießstand, während die
Maschinengewehre sich ablösten um eine Pause zu machen. Sie schlachteten die
Demonstranten ab.
Am frühen morgen räumten die Militärs das Gelände und verhafteten die Führer
der Demokratiebewegung. Als die Neuigkeit der erneuten Morde sich durch Bangkok
verbreitete, begannen die Menschen leise zu fragen, wo denn der König bleiben
würde. Warum hatte er das nicht gestoppt? War er hinter Suchinda, oder
hinderten ihn die gepanzerten Fahrzeuge vor dem Palast davor, einzuschreiten.
Die Fragen kamen vom durchschnittlichen Thai auf der Strasse wie vom Manager
oder dem Mitglied des Parlamentes. Gerüchte kamen in Umlauf, dass der König
selbst ein Gefangener sei, oder dass er aus der Hauptstadt geflohen sei wie
1981 mit Prem, um Truppen gegen Suchinda zusammenzustellen. Alle Gerüchte
gingen davon aus, dass der König unmöglich Suchinda hatte unterstützten können.
Aber in der Zwischenzeit bereitete die Arme selber sich auf die Schlacht vor,
weil sie wohl vermuteten, dass Chavalit und Chamlong zu ihnen loyale Truppen rufen
würden, um zurück zu schlagen. Bürgerkrieg lag in der Luft.
Am Dienstag, den 19. Mai 1992, gab es keinen Hinweis, auf welcher Seite
die königliche Familie stand. In einer streng bewachten Autokollone fuhr Kaset
den Kronprinzen Vajiralongkorn persönlich zum Flughafen, von wo aus er nach
Süd-Korea flog. Prinzessin Sirindhorn hatte die Stadt schon vor einer Woche in
Richtung Paris, zusammen mit Prinzessin Galyani, verlassen. Von überall kamen
Aufforderungen an den König, die Gewalt zu beenden und endlich einzugreifen.
Phra Yanasangworn führte das Sangha-Konzil und mahnte alle, sich nicht weiter
gegenseitig umzubringen. Aber bisher waren nur Demonstranten umgekommen, und
die Waffen hatten nur die Militärs. Die Parteinahme war wieder offensichtlich.
Prinzession Sirindhorn gab von Paris aus eine auf Band aufgenommene Erklärung
ab, in der sie zu Ruhe und Einheit mahnte. Sie sagte, sie hätte versucht ihre
Familie zu erreichen, wäre aber nicht durchgekommen. Das war normal.
Internationale Telefonleitungen nach Bangkok waren zu dieser Zeit sehr schlecht
und bei dieser Krise mit Anrufen überlastet. Aber die Menschen in Thailand
sahen dies als Beweis an, dass man verhinderte, dass sie mit ihrem Vater
sprechen konnte.
Danach trat Suchinda vor die Fernsehkameras und erklärte, dass weder er noch
die königliche Familie von Bangkok geflohen wären. Er beschuldigte noch einmal
Chavalit und Chamlong die Monarchie und den Buddhismus zerstören zu wollen.
Am nächsten Tag, als mehr und mehr Gerüchte über Kämpfe zwischen den
militärischen Fraktionen der Armee die Runde machten, da gab es immer noch
keine Stellungnahme über die Position des Königs. Suchinda`s Kräfte hatten alle
Strassenverbindungen zum Stadtzentrum blockiert und ab und zu hörte man
Schüsse. Bei Suchinda waren die Parteiführer
Naron, Banharn und Samak, (ANMERKUNG: Samak ist heute Premierminister
von Thailand.) Samak bestand darauf, wie in den Siebzigern, dass auf
Menschen zu schießen legitim sei, weil es Kommunisten wären.
An diesem Tag versammelten sich mehrere tausend Demonstranten an der
Ramkhamhaeng Universität im Osten von Bangkok und die Militärs begannen Truppen
in diese Richtung in Marsch zu setzen. Als gerade um 10 Uhr undeutliche
Fernsehbilder auftauchten, der Sound war fast nicht zu verstehen. Die Bilder
zeigten den König Bhumibol auf einem Stuhl mit dem Geheimrat Prem und Sanya,
kniend an seiner Seite. Vor ihm auf dem Boden, die Beine hinter sich, in einer
Position fast auf dem Boden kriechend, sah man Chamlong und Suchinda. Der König
sprach: „Es mag sie nicht erstaunen, warum ich sie zu diesem Treffen gebeten
habe … Aber es mag Sie überraschen, warum ich General Suchinda Kraprayoon und
Generalmajor Chamlong Srimuan eingeladen habe, obwohl es doch so viele andere
Beteiligte und Darsteller gibt. Sie beide wurden eingeladen weil zu Beginn eine
Situation war, in der Sie beide gegenseitig eine Konfrontation aufbauten, die
am Ende ein Kampf viel größeren Ausmaßes wurde. Wenn die Konfrontation weiter
geht, wird das zur vollständigen Zerstörung von Thailand führen.“
Um das Problem zu lösen, sagte er, hätten einige vorgeschlagen, das Parlament
aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben. Aber alle politischen Parteien hätten
den Vorschlag abgelehnt deshalb hätte er das nicht tun können. Eine andere
Lösung wäre eine Verfassungsänderung, was genau das gewesen wäre, was er am 4.
Dezember 1992 vorgeschlagen hätte, obwohl die Verfassung eigentlich annehmbar
war, wäre das immer noch eine gute Lösung gewesen. Dann führte er aus: „Als ich
mit General Suchinda zusammentraf, war er damit einverstanden, dass die
Verfassung zunächst verkündet, und später geändert werden sollte, wie er
bestätigte. Sie kann graduell geändert werden und so auf einem demokratischen
Weg verbessert werden. … Deshalb denke ich, dass wir die Alternative, die ich
in meiner Rede vom 4. Dezember erwähnt habe, in Erwägung ziehen sollten, um das
originale Problem zu lösen.“
Mit dem Land am Rande des Abgrunds, forderte er Suchinda und Chamlong auf
„setzen Sie sich zusammen und schauen Sie die Fakten gemeinsam in einer
versöhnlichen Art und Weise, und nicht in einer konfrontativen Art und Weise
an, um einen Weg zu finden das Problem zu lösen. Das Land gehört nicht ein oder
zwei Personen, aber jedem. … Was macht es noch, sich stolz als Sieger zu
fühlen, wenn man auf Ruinen und Trümmern steht? Er endete mit einem
buddhistischen Aufruf, zusammen zu arbeiten und das Land wieder aufzubauen:
„Sie persönlich werden sich besser fühlen, wenn Sie wissen, dass Sie die
richtigen Dinge getan haben. Wie Sie das erreichen werden, wird davon abhängen,
wie viel gemeinsame Energie Sie darin einbringen werden. Dies sind meine
Beobachtungen.“
Da der Ton des Fernsehens so schlecht war, war die Hauptmitteilung die visuelle,
einfach dass Bhumibol Chamlong und Suchinda zu seinen Füßen hatte, mit Prem und
Sanya neben ihm als Verstärkung. „Niemand kann sich wehren, wenn er auf den
Knien ist.“ Schrieb Bagehot von der Macht der Monarchen. Wenige bemerkten die
Kernaussage der Rede des Königs. Er hatte die ganze Schuld für den Ausbruch der
Gewalt Chamlong zugewiesen sowie der Pro-Demokratischen Bewegung, weil sie
nicht auf seine Rede vom Dezember gehört hätten, und seinem Vorschlag, geduldig
auf dem Weg zu Verfassungsänderungen zu sein, die ohnehin eigentlich gar nicht
notwendig wären. Suchinda auf der anderen Seite hätte großzügig den Vorschlag
des Königs angenommen und ihm versichert, dass er bereit sei,
Verfassungsänderungen zu akzeptieren. Der König schien zu fragen: Warum also
kämpften Menschen auf den Strassen? Statt die wirklichen allgemeinen Gefühle
der Gesellschaft zu erkennen, dass Suchindas Regierung sich weigerte Verfassungsänderungen
zuzulassen, und dass es unmöglich war, gegen einen militärisch kontrollierten
Senat eine Verfassungsänderung zu erreichen. Stattdessen hatte der König alles
als persönlichen Rachefeldzug von Chamlong dargestellt.
Am nächsten Tag war die Welt von Bhumibols Intervention beeindruckt. Die Gewalt
und Proteste hörten auf, aber Militär blieb in den Strassen. Chamlong wurde von
Prem angewiesen, der vermutlich im Auftrag des Königs handelte, die
Demonstrationen abzusagen. Suchinda wurde angewiesen abzudanken, und die
politischen Parteien, die Verfassung zu ändern.
Während Chamlong aus der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verschwand, war das
bei den Generälen nicht der Fall. Suchinda, Kaset und Issarapong verteidigten
ihre Aktionen als legalen und notwendigen Akt der Selbstverteidigung gegen
Demonstranten, die mit Gewehren, Granaten und Feuerbomben angegriffen hätten. Eine irrwitzige Behauptung. Suchinda bestand darauf, Premierminister zu
bleiben, bis das Parlament die Verfassung geändert hatte. Er verlangte außerdem
eine Amnestie, die ihn und seine militärischen Helfer schützte. Obwohl es die
Demokratiebewegung zutiefst erzürnte, erteilte der König die geforderte
Amnestie. Schließlich, gegen Mittag des 24. Juni 1992, nach einer
Privataudienz beim Patriarch Yanasangworn im Kloster Vovovrinves, dankte
Suchinda ab. Er erklärte, die Wünsche des Königs erfüllt zu haben, Frieden und
Versöhnung dem Land zu bringen.
Am nächsten Tag eröffnete das Parlament und Prem und später ein Rechtsberater der
Putschisten, agierten als Premierminister. Das Parlament verabschiedete schnell
die zweite Lesung der Verfassungsänderung. Die letzte Lesung war vorgesehen
nach 2 Wochen. Aber noch war nicht alles vorbei. Suchinda blieb
Verteidigungsminister und Kaset Issarapong und die anderen Generäle behielten
ihre wichtigen Posten. Die Parteien, die Suchinda unterstützt hatten,
kontrollierten immer noch das Parlament. Ohne Unterbrechung verteidigten die
Generäle sich selber in verschiedenen Foren, einschließlich eines mit ausländischen
Diplomaten, wo sie erklärten, sie hätten den König und das Land davor geschützt
in kommunistische Hände zu fallen. Als die pro-demokratische Bewegung forderte,
die Amnestie aufzuheben, konterten sie mit Drohungen einen neuen Coup
durchzuführen.
Nach ein paar Tagen, ernannten die Alliierten der Chart Thai Partei den
Luftmarschall Samboon Rahong zum Premierminister. Aber als der Haussprecher
Arthit Rairat die Nominierungsurkunde dem Palast übergab, blieb dieser stumm.
Weil nichts klar war, glaubten die Menschen, dass der Palast stillschweigend sagen
wolle, dass die Verfassung zunächst geändert werden solle. Manche behaupteten,
dass der König annahm, Somboon würde mehr Probleme bereiten. Nachdem also
Somboons Nominierung im Juni zum zweiten Mal inoffiziell abgelehnt worden war,
erklärte Prem, dass der König einen Premierminister wünsche, der von allen
Menschen akzeptiert werden könne. Es gab starke Gerüchte, dass der König seinen
eigenen Geheimrat Chirayut Isarangkul nominiert wissen wollte. Aber die Regierungskoalition,
immer noch von Suchinda und Kaset dominiert, bestanden auf Somboon.
Jeder wartete gespannt auf den 10. Juni 1992, dem Datum für die letzte Lesung
der Verfassung. Nachdem die Verfassungsänderungen akzeptiert worden waren, ging
Arthit noch einmal mit dem Namen von Somboon als neuen Premierminister zum
Palast. Somboon erwartete einen Telefonanruf mit der Bestätigung. Als der Anruf
kam, sah man den Unglauben in seinem Gesicht geschrieben, als er in den Hörer
sagte: „Ja, ich habe verstanden“, und so hatte jeder verstanden, und die
Reporter jubelten spontan vor Freude … Der König hatte Anand Panyarachun zum
Interim-Premierminister gemacht.
Während der nächsten Monate beruhigte Anand die Spannungen und stabilisierte
die Wirtschaft. Er löste das Parlament auf und rief Nationale Wahlen für
September aus. Sie fanden fast fair statt, wobei die Polarisierung klar war,
hier die Parteien der Putschisten, dort die der demokratischen Opposition. Aus
den Wahlen resultierte eine Regierung, die durch die Demokraten angeführt
wurde. Chuan Leekpakai wurde Premierminister. Es wurde als Neubeginn in der
thailändischen Politik angesehen.
Anands delikate Verantwortung war die Aufarbeitung der Militäraktionen dieses
Mai. General Pichit Kullavanich, ein Favorit von Prem und dem König (er sollte
bald Geheimrat werden), untersuchten während sechs Wochen Geheimpapiere. Der
Pichit Report wurde nie veröffentlicht, aber Anand ließ verlauten, dass das
Militärs ein fundamentales Missverständnis von demokratischen Demonstrationen
gehabt hätten. Es gab keine breitere Analyse, warum die Militärs überhaupt solche
korrupten und ambitionierten Cliquen erzeugten, die die Macht erhielten, solche
Dinge zu tun. Nervös versetzte Anand alle Top-Generäle, die in den blutigen Mai
verwickelt gewesen waren auf Posten ohne Einfluss, was im Prinzip das Ende der
Karrieren bedeutete. Sie nahmen die Maßnahmen hin, ohne Reue zu zeigen, und
argumentierten nach wie vor, dass die Demonstranten die erste Linie des
Kommunistischen Angriffs gegen die Grundpfeiler der Nation gewesen wären:
Nation – Religion – König.
Im nächsten Artikel werden wir die Analyse aus Sicht verschiedener Historiker
und Journalisten betrachten.
Die Texte in dieser Serie, die
nicht die Meinung der Internetseite wiederspiegeln, sind Übersetzungen von
englischsprachigen Veröffentlichungen, hauptsächlich basierend auf dem Buch von
Paul Handley „The King Never Smiles“. Es erschien in einem Wissenschaftsverlag
(Yale University Press) und wir haben versucht die Texte in der Übersetzunge zu
vereinfachen. Natürlich empfehlen wir, das Buch ungekürzt und in Original zu
lesen. Leider ist es in Thailand verboten.
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