Pridi starb am 2. Mai 1983 in Paris. Seine Asche wurde zurück nach Thailand gebracht. Aber die Versöhnung wurde länger als in anderen Fällen von Exilanten hinausgezögert, und die offizielle Antwort war weniger enthusiastisch als üblich bei verstorbenen Premierministern. Aber während der Jahre wurden die Anstrengungen fortgesetzt, um seine Gedächtnis zu wahren. Eine Pridi Banomyong Gesellschaft wurde 1983 und ein Institut 1995 gegründet, und diese sind Gastgeber für Akademiker und kulturelle Veranstaltungen. Die Thammasat Universität errichtete am 3. Juli 1984 eine Statue und wandelte einen Teil des wichtigsten Gebäudes auf dem Campus in ein Museum zum Gedenken an Pridi um.
Pridis „Concise Autobiography“ (kurzgefasste Autobiographie) wurde gedruckt. Die Thammasat Universität veröffentlichte eine Sammlung seiner Schriften über Rechtsfragen (28) Während der 1980iger und frühen 1990iger Jahre wurden verschiedene Arbeiten Pridis neu in mehreren verfügbaren Sammlungen veröffentlicht. Die Novelle, The King of the White Elephant, (Der König des weißen Elefanten), die Pridi während des Krieges schrieb, wurde neu veröffentlicht. Der Film, den Pridi über das Thema der Novelle produziert hatte, wurde wieder entdeckt und vorgeführt.
(Möglicherweise Vorschau bei YouTube hier: http://www.youtube.com/watch?gl=US&v=3kTxSnFHQHE)
Der Film wurde von der UNESCO gefördert und mit ihrer Hilfe in dreijähriger Arbeit restauriert worden, weil er der einzige Film Thailands aus der Vorkriegsgeschichte Thailands war. Der Film war auf 35 mm-Material in Schwarz-Weiß gedreht worden. Die thailändischen Schauspieler sprechen englische Dialoge und der Film sollte während des Krieges eine Botschaft über siamesischen Patriotismus an die Internationale Gesellschaft aussenden. (Quelle: http://www.asiaarts.ucla.edu/article.asp?parentid=81029).
„Der Revolutionär“, eine Stück von Brecht über Pridi und 1932 wurde erstaufgeführt im Jahr 1987.
Pridi war nicht mehr jemand, über den man nicht sprechen durfte. Aber die Verteufelung der Persönlichkeit warf immer noch lange Schatten. Pridis historisches Erbe war immer noch ungelöst und schwierig. Die Wiederbelebung des Interesses, fokussierte sich auf Pridi als Schreiber, Denker und Lehrer. Es legt Wert darauf, dass er der Gründer der Thammasat Universität war, auf die lange Liste seiner Veröffentlichungen, und die Gedanken, die hinter dem ersten Wirtschaftsplan standen. Es umging vorsichtig seine politische Karriere und seinen Anteil an der Gründung von Thailands Demokratie.
Pridi war nach dem Coup von 1947 in ein lebenslanges Exil gegangen. Sein Schüler Puey Ungphakorn erlitt nach dem Coup von 1976 ein ähnliches Schicksal. Beide Männer hatten wichtige kreative Rollen gespielt, damit in Thailand das 20. Jahrhundert einkehren konnte. Aber die Wirkung der langen Zeit im Exil war, dass man sich ihrer als alt, machtlos und weit weg erinnerte. Ihr wichtiger kreativer Beitrag wurde durch die Erinnerung an ihre spätere Unbedeutendheit ausgelöscht. Die Erinnerung an sie wurde abgeschwächt.
Das bekannteste Zitat Pridis, das aus seinem letzten großen interview im Jahr 1979 (29) stammte, bestätigt unglücklicherweise seinen Eindruck:
Im Jahr 1925 als wir den Kern der Revolutionspartie in Paris gründeten war ich nur 25 Jahre alt. Sehr jung. Zu jung. Unerfahren … Ohne Erfahrungen setzte ich manchmal Theorien sehr dogmatisch ein. Ich habe die Realitäten in unserem Land nicht berücksichtigt. Ich hatte nicht genügend Kontakt mit den Menschen. Mein ganzes Wissen war aus Büchern. Ich hatte die menschlichen Elemente nicht so berücksichtigt, wie ich das hätte tun müssen. Im Jahr 1932 war ich 32 Jahre al. Wir machten eine Revolution, aber ich war unerfahren. Als ich an der Macht war hatte ich keine Erfahrung, und als ich mehr Erfahrung hatte, hatte ich keine Macht mehr.
Das Zitat hebt die Frustration und Machtlosigkeit hervor, die er in seinem späteren Leben empfand und trug dazu bei, die Verdienste seiner frühen Jahre verblassen zu lassen.
Das Vorgehen bei Pridi’s 100. Geburtstagsfeierlichkeiten ließ eine erste Bewegung erkennen, um eine Versöhnung mit Pridi und seiner historischen Hinterlassenschaft zu beginnen. Das bedeutet viel mehr als Nostalgie. Die 1990iger Jahre waren eine Periode der intensiven politischen Debatte in Thailand, sie konzentrierten sich auf den Coup von 1991 und den Volksaufstand von 1992, und dann auf die Wirtschaftskrise von 1997. Bei dieser Debatte drehte sich vieles um eine Verfassungsreform, einen Ausbaus des Rechtsstaates, einer Verstärkung der Rolle des Parlaments, einer Reform der Bürokratie, einer Bildungsreform, es ging um Menschenrechte, Dezentralisierung, soziale Wohlfahrt, Wirtschaftspolitik, … alles Dinge, die Teile von Pridis Vision von Thailand schon 60 Jahre früher gewesen waren.
Darüber hinaus hatte Thailand in der Transitionsphase von den 1980iger in die 1990iger Jahre unmerklich das Zeitalter verlassen, in denen politische Führer eine Extramagie benötigten, die durch einen Titel verliehen wurde, der entweder aus der Tradition oder dem Militär entstanden war, in eine Ära, in der ein solcher eher eine Behinderung darstellt. Wie mangelhaft auch die thailändische Demokratie sein mag, so zeigt diese Transition eine wichtige Veränderung der öffentlichen Einstellung. Chuan Leekphai, der mit dieser Veränderung konfrontiert wurde, steht in vielerlei Hinsicht in vollkommenen Kontrast zu Pridi, als übervorsichtiger und sich selbst schützender Politiker, gegenüber dem brillanten, risikobereiten und lebhaften Pridi. Aber die zwei teilen einige interessante Parallelen. Beide stammen aus einer chinesisch – thailändischen Familie die ihren Lebensunterhalt aus dem Verkauf auf einem Provinzmarkt bestritt. Die Herkunft Chuans vermittelt eine retrospektive Legitimierung für das, wofür Pridi sich mit seiner politischen Soziologie einsetzte. Und die Energie die (Chuan) in die Verfassungsreform von 1997 steckte, vermittelt eine restrospektive Legitimierung für die politische Ideologie Pridis.
Der Ansatz der 100-Jahres-Geburtstagsfeier von Pridi war ein Programm in dem Pridis Schriften neu verlegt wurden, das Stück von Brecht „Der Revolutionär“ in Thailand und in Europa neu aufgeführt wurde, Veröffentlichungen mit detaillierter Geschichte der Seri-Thai Bewegung in thailändischer Sprache durch den Autor einer früheren Biografie (30) veröffentlich wurden. Es gab Aufrufe für verschiedene Gedenkveranstaltungen und ein wiederbelebtes Interesse an seinen Arbeiten, besonders hinsichtlich des Wirtschaftsplanes. (31)
Sulak Sivaraksa verlegte erneut ein Geständnis in dem er seine Verwandlung von einem konservativen Verteufler Pridis zu einem seiner enthusiastischsten Anhänger aufzeigte. (32) Charnvit Kasetsiri (für die Thammasat Universität) verfasste ein Lied über den „Jungen Pridi“ in der Hoffnung damit die Erinnerung auf die Zeit vor seiner Machtlosigkeit und historischen Verteufelung zurück zu rufen.
Die Feierlichkeiten sahen auch Anstrengungen die Folgen der Verunglimpfung zu reduzieren. Der Ausschuss zur Organisation der 100-Jahr-Feier wird vom Premierminister geleitet. (33) Neben liberalen Akademikern und Veteranen von Seri Thai, war das Komitee mit einigen Vertretern großer Linien besetzt. In der Einweihungszeremonie für das 100-Jahr-Projekt hielt Dr. Prawase Wasi, dessen Prominenz ein Resultat seines eigenen sozialen Einsatzes ist, und der bekannt für seine Nähe zur Monarchie ist, eine Rede mit dem Titel: „Die Monarchie und der Senior Statesman Pridi Banomyong“. Prawase argumentierte, dass die Einführung der Verfassung von 1932 die thailändische Monarchie nicht geschwächt hätte, sondern ihr Überleben erst ermöglicht und sie gestärkt hätte. Er fuhr fort:
Es hat Menschen gegeben, die versucht hatten ein Bild zu malen, das ihn, Pridi, als einen Feind der Monarchie darstellte. Aber wenn man die verschiedenen Dokumente untersucht wird man schnell begreifen, dass das Gegenteil der Fall war. Er war jemand der versuchte die Monarchie hoch zu halten, sowohl durch eine Veränderung des Regierungssystems, als er die politische Macht dazu hatte, bis zu der Zeit als er keine Macht mehr gegen Ende seines Lebens hatte. Wenn Intellektuelle die Dokumente studieren werden sie die Wahrheit erkennen – und Wahrheit ist das Gegenteil von Hörensagen, in der gleichen Art und Weise wie die Welt sich um die Sonne dreht, und das Gegenteil davon die Behauptung ist, dass sich die Sonne um die Erde dreht.
Die thailändische Gesellschaft sollte sich über diese Art des Denkens hinweg setzen, das kindisch und nicht erwachsen ist, eine Sicht die davon ausgeht, dass, wenn man einen Menschen liebt, man keinen anderen lieben kann. Dieses Denken, das die Menschen in Seiten, Gruppen (phuak) einteilt, hat schon zu viel Schaden an der thailändischen Gesellschaft angerichtet. (34)
Chris Baker, Pasuk Phonpaichit.
28. Prachum kotzmai mahachon lae ekachon khong Pridi Phanomyong (Sammlung öffentlichen und privaten Rechts von Pridi Banomyong), Bangkok: Thammasat Universität, 1983.
29. „Pridi through a Looking Glass“, (Pridi durch das Vergrößerungsglas), inverviewt von Anthony Paul in Asiaweek, 4. Jan. 1980.
30. Vichitvong na Pombhejara. Sei thai: wirakam ku chat (Seri Thai: Heroismus um die Nation zu retten.), Bangkok: Saengdao, 1999
31. See Naron, Pridi; and the reprinting of Luang Praditmanutham (Pridi Banomyong), Khao Khrongkan sethakit (Der Wirtschaftsplanentwurf), Bangkok: Committee on the Centennial Anniversary of Pridi Banomyong, 1999.
32. Sulak, Powers That Be.
33. Als der Ausschuss gebildet wurde, war
Chavalit Yongchaiyudh der Premierminister, der das Projekt unterstützte. Ironischerweise wurde er später durch Chuan Leekpa, Vorsitzender der Democrat Party ersetzt, der Partei, die 1946 gegründet worden war mit dem Zweck, Pridi, seinen Verbündeten und Ideen entgegen zu treten. Chuan hatte sich dafür eingesetzt, dass sowohl Pridi als auch die Prinzessinmutter in die Liste der großen Persönlichkeiten der UNESCO und der historischen Ereignisse des Jahres 2000 aufgenommen wurden.
34. Die Rede wurde als spezieller Anhang in Khao khrongkan sethakit (siehe fn. 31), 5,7 gedruckt.
Dies war der erste Teil aus dem Buch Pridi by Pridi. Um die historische Dimension der Veröffentlichung nicht zu zerstören, habe ich mit Kommentaren zurück gehalten. Aber ich denke, es wird Zeit, einige kritische Anmerkungen dazu abzugeben.
Wir möchten darauf hinweisen, dass in der Beschreibung der Geschehnisse der Revolution von 1932 insgesamt vier Perspektiven zu erkennen sind, die sich für einen Historiker ergeben.
1) Zunächst die Ansicht, dass Rama VII sowieso Demokrat war, und eigentlich längst die Demokratie einführen wollte, und daher die Volkspartei und Pridi keine Rolle spielten für die folgende politische Entwicklung. Diese Ansicht wird von den Monarchisten vertreten, die auch die Schulbücher Thailands und offizielle Geschichtsschreibung beeinflusst haben.
2) Die Ansicht der Pridi-Anhänger, die der Meinung sind, dass die Revolution von 1932 den Weg geebnet hat, für eine Demokratisierung, aber die erklären, dass König Prajadhipok selbst auch bereits Vorstellungen über die Einführung einer Verfassung und eines Parlaments hatte, sich aber gegen die Interesse der Aristokratie nicht durchsetzen konnte.
3) Die Ansicht der radikalen Studenten der Oktoberbewegung von 1973 und 1976, die auf Grund der tatsächlichen Entwicklung und andauernden absolutistischen Herrschaft durch das Militär im Anschluss an den Militärcoup von 1947, der Meinung sind, dass die Revolution von 1932 eigentlich nur ein Militärcoup war, der eine kurze Periode der Liberalisierung einläutete, aber eigentlich nur den folgenden Militärdiktatoren die Werkzeuge für ihre Herrschaft in die Hand gegeben hat.
4) Ich möchte eine zusätzliche Sicht der Geschichte anfügen und begründen. Und zwar handelte es sich m.E. bei der Revolution von Pridi und Phibun um eine echte Revolution. Für eine solche bedarf es nach allgemein anerkannte Definition, die auch Wikipedia vertritt, keines Massenaufstand, was in manchen Köpfen immer noch herumschwirrt. Alle Zeichen einer Revolution waren vorhanden, nämlich eine illegale grundlegende Veränderung des politischen Systems, die Abschaffung des formalen Absolutismus.
Es wurden grundsätzliche und tiefgreifende Veränderungen der Gesellschaft eingeleitet. Diese Veränderung war nicht beständig, weil sich die Teile des Militärs, die zu den Revolutionären gehört hatten, gegen den zivilen Teil der Revolutionäre um Pridi wandten, und zur Durchsetzung ihrer Macht gegen die zivilen Revolutionäre intrigierten.
Hatte zunächst die intellektuelle Überlegenheit des Pridi-Lagers die Geschehnisse bestimmt, war es durch den Versuch einer Gegenrevolution durch die Monarchisten zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse und des Einflusses gekommen. Dies ist eine wichtige Anmerkung, weil ich glaube, dass, wäre es nicht zu dem Bürgerkrieg von 1933 gekommen, die Macht des Militärs nie in dem dann gesehenen Maße hätte zunehmen können.
Weil das Militär um Phibun die Monarchisten erfolgreich in diesem Bürgerkrieg schlagen konnte, waren sie plötzlich die Retter der Nation, während die intellektuellen Zivilisten mit Wirtschafts- und Sozialplänen nur noch eine untergeordnete Rolle spielten. Diese Tatsache wird aus vielen verschiedenen Gründen bisher praktisch nicht beachtet. Dabei spielt das Verschweigen des Bürgerkriegs und die fehlende Auseinandersetzung mit der Rolle der Monarchie in der nachrevolutionären Phase die größte Rolle.
Zwischen 1932 und 1947 beherrschte demnach ein Machtkampf zwischen den militärischen Lagern, die sich als Beschützer und Retter darstellten, und dem zivilen Lager, das versuchte Verwaltungsreformen, Dezentralisation und Parlamentarismus usw. einzuführen. Endgültig beendet zu Gunsten einer militärischen Diktatur wurde diese Phase im Jahr 1947 als sich Teile des Militärs mit der erstarkten Monarchie gemeinsam die letzten Reste von Pridis Einflusses beseitigten, und wieder eine absolutistische Herrschaft einführten.
Einer der ersten Autoren, der die nachrevolutionäre Entwicklung in Thailand einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte war Paul Handely mit seinem Buch „The King Never Smiles“.
Entgegen den Autoren, die sich bemühen, das Ansehen und das Werk von Pridi zu Ehren kommen zu lassen, und daher Kompromisse und versöhnliche Worte benutzen müssen, steht Handley nicht unter diesen Zwängen und kann auch ganz klar zum Ausdruck bringen, warum Pridi als der größte Feind der Monarchie angesehen wurde, wie indirekt auch von Prawase bestätigt.
Zunächst widerspricht Handley der versöhnlichen Sichtweise der Verfasser des Buches Pridi by Pridi, dass König Prajdhipok selbst ein Reformer gewesen wäre, der in ähnlich Richtungen gedacht hätte, wie die Revolutionäre.
König Prajadhipok hoffte königliches Prestige mit der Hilfe einiger monarchistischer Zeitungen wieder erlangen zu können. Und verbot alle republikanisch gefärbten Publikationen.
Und an anderer Stelle:
Aber Rama VII verweigerte sich wirklichen Reformen. Er bestand darauf, dass Parlamente im Stil der europäischen nicht für Asien geeignet wären, und dass die Siamesen für eine repräsentative Regierung nicht vorbereitet seien. Er sagte Sayre, dass der oberste Staatshof durch seine über den Dingen stehende Denkweise der Prinzen ideal sei, um Korruption und Ausbeutung durch den Staat zu verhindern. Während dies viele Bürger des neuen Mittelstandes und besonders die im Ausland studierten jungen Menschen anders sahen. Prajadhipok schlug vor, einen Premieministerposten zu schaffen um die Arbeit des Kabinetts zu überwachen. Aber der oberste Staatshof war deutlich dagegen eingestellt. Prinz Damrong argumentierte, dass es gefährlich sei vorzuschlagen, dass der König nicht länger das Land regiere solle.
Hinsichtlich der Bemühungen, einen Beraterstab mit der Regierung zu beauftragen, sozusagen einen Vorläufiger der Nationalversammlung bzw. des Parlaments, schreibt Handley:
Der König gründete ein Komitee, das er den Geheimen Rat (Privy Council) nannte. Diese Institution ohne jede Machtbefugnisse war dazu bestimmt, öffentliche Politik zu debattieren, und zu zeigen, wie Demokratie funktionierte. Alle Mitglieder wurden vom König ernannt und stammten meist aus der königlichen Familie. Wieder opponierte der hohe Prinz Dhani Nivas, der Bildungsminister war, und ausführte, dass das Ganze unnötig wäre, weil Demokratie nicht für Thailand anwendbar sei. Andererseits würde der Kronrat die Monarchie in ein schlechtes Licht rücken, weil es Dinge dem Thron vorschlägt, statt königliche Befehle auszuführen. Prajadhipok gab den Versuch schließlich auf, als der Geheime Rat sich als unfähig erwies, sich über das Design einer Nationalflagge zu einigen.
Als schließlich die weltweite Wirtschaftkrise drohte, Thailand in den Bankrott zu treiben, was in einer Aufgabe der Unabhängigkeit hätte enden können, bewegte sich König Prajadhipok in Richtung auf eine konstitutionelle Monarchie. Sein Entwurf sah insbesondere vor, dass die Macht weg von den halsstarrigen konservativen Prinzen, zurück auf den König und eine Nationalversammlung gegeben wurde.
In seiner Verzweiflung ernannte Prjadhipok im Oktober 1931 ein kleines Komitee um den Entwurf einer demokratischen Regierung und konstitutionellen Monarchie zu entwerfen. Die Gruppe bestand aus dem Außenminister Prinz Devawongs Varodaya, seinem brillanten Assistenten Phraya Srivisarn Vache und dem amerikanischen Berater Raymond Stevens. Keiner glaubte, dass es der richtige Zeitpunkt wäre, aber sie sie verstanden, dass eine Bewegung hin zu konstitutioneller Monarchie notwendig und unausweichlich war. Sie beschrieben eine Regierung, die durch einen Premierminister mit einem von ihm ernannten Kabinett geführt wurde und einer gesetzgebenden ersten Versammlung verantwortlich war. Letztere war zur Hälfte durch den König ernannt, zur anderen Hälfte indirekt gewählt. Der König behielt sich das Recht vor, den Premierminister zu ernennnen, und ein Veto gegen seine Politik und Gesetze anzuwenden. Der höchste Staatshof würde weiterhin den König beraten aber nicht über das Kabinett bestimmen. Prajadhipok sah dies als Möglichkeit an, wie das Kabinett mit der Exekutive in Frieden kooperieren konnte.
Der Entwurf wurde von den Prinzen abgelehnt. Die Revolution vom 24. Juni 1932 rettete dann das Land vor dem Bankrott weil er die Macht der gierigen Aristokratie brach, die den König verantwortlich gemacht hatte, aber längst die wahre Macht selbst ausübte.
Was in versöhnlichen thailändischen Veröffentlichungen unerwähnt bleibt, sind die genaueren Umstände der Revolution von 1932. Nur wer die kennt, begreift den abgrundtiefen Hass, den die Aristokratie Thailands gegenüber Pridi dazu trieb ihn zu vernichten. Aber dazu werden wir an späterer Stelle kommen, wenn wir weitere Teile aus „Pridi by Pridi“ zitieren.
Etwas, das in diesem und vielen anderen Büchern Thailands aber zu kurz kommt, ist der vielleicht die Geschichte bestimmende Bürgerkrieg des Jahres 1933.
…Der neue 20-köpfige Rat umfasste neue und Beamte des alten Regimes. Aber die Monarchisten waren nicht zufrieden und versuchten zurückzuschlagen. Barmé schreibt in „Luang Wichi“:“… Während die Prinzen insgeheim eine Militärrevolte vorbereiteten, drängte Prajadhipok Premierminister Manopakorn die Volkspartei politisch zu zerbrechen. Während die Regierung im Januar 1933 ein politisches Parteiensystem regelte, riet der König Manopakorn alle neuen Parteien zu verbieten und die Volkspartei aufzulösen.
Aber das war noch nicht möglich. Monate später fand der König einen Weg um einen Keil zwischen die Fraktionen der Volkspartei zu treiben. Pridi hatte, unter dem Eindruck einer lang anhaltenden Rezession, einen Entwicklungsplan entworfen, der vorschlug, der Regierung die Kontrolle über große Teile des Grund und Bodens und des Kapitals zu übertragen. In Zusammenarbeit mit Manopakorn und Srivisarn brandmarkte der König Pridi öffentlich als Kommunisten. Wir können in „Thai Politics“ lesen: „… In einer langatmigen Kritik mündete die Aussage in die sarkastische Frage, ob Pridi Stalin kopiere oder Stalin Pridi kopiert hatte.“
Thawatt erklärt in „History“: Mit steigendem Einfluss drohte Prajadhipok wieder mit Abdankung gegen Pridi’s Plan. Dann zwang er Manopakorn den Revolutionär per königliches Dekret aus der Regierung zu entfernen. Was passierte? Manopakorn folgte im Wesentlichen dem König indem er Beamte von politischen Ämtern ausschloss. Viele in der Volkspartei und praktisch alle Anhänger Pridi’s waren Beamte. Durch seinen riskanten Schachzug saß der König nun selbst auf einem gefährdeten Ast. Ein Versagen hätte den Verlust des wieder gewonnenen Prestiges bedeuten können. Inmitten der politischen Spannungen wurde die Mahidolfamilie nach Lausanne, in die Schweiz geschickt, um sie in Sicherheit zu bringen. Der Palast wird vermutet haben, dass, falls Prajadhipok abdanken würde, oder falls er gezwungen würde abzudanken, es dann schwer für die Volkspartei wäre, im Ausland die internationale Legitimation für ihre Regierung zu erhalten, falls der Erbe außer Landes wäre.
Die Volkspartei konterte mit der Forderung nach einer Vertrauensabstimmung gegen den Premierminister. Vielleicht weil er spürte, dass Manopakorn diese Abstimmung verlieren könnte, löste der König die Nationalversammlung am 1. April 1933 auf, und Manopakorn begann per Dekret zu regieren. Einige Historiker behaupten, dass die Auflösung der Versammlung Manopakorn’s Entscheidung, in Abstimmung mit Dissidenten aus der Volkspartei gewesen wäre. Aber die Auflösung war ein spezielles Vorrecht des Königs, und er war sehr schnell mit der Unterschrift, wie wir im Buch „Siam becomes Thailand“ von Judith Stowe lesen können.
Monarchisten wurden quer durch die Verwaltung gefördert und befördert. Prajadhipok zeichnete jeden Schritt gegen. Ein hartes antikommunistisches Gesetz wurde verkündet und unter dieser Drohung war Pridi gezwungen ins Ausland ins Exil zu fliehen.
Die Volkspartei schlug am 20. Juni 1933 zurück, indem sie Manopakorn durch einen Staatsstreich seines Amtes enthob. Der Staatsstreich wurde durch Phibun Songkhram, einer Schlüsselfigur der Armee angeführt. Der König, wieder in
Hua Hin, wurde per Brief aufgefordert, die Versammlung wieder zu eröffnen und einen neuen Staatsrat zu ernennen. Um dem König eine persönliche Herausforderung zu ersparen, vertrat der Brief lediglich die Position des Thrones, wie in der Verfassung festgelegt. Das königliche Prestige blieb intakt, da Manopakorn für alles Verantwortlich gemacht wurde.
Prajadhipok entsprach der Forderung, und zwei Tage später wählte die neue Versammlung den Armeegeneral und Revolutionär von 1932, Phahon Phonphayuhasena als Premierminister. Phahon ludt Pridi ein zurück zu kommen und dem Staatsrat beizutreten, unter der Bedingung, extremistischen Ansichten abzuschwören. (Anmerkung: Was als extremistisch galt wäre in Deutschland konservativer als die damalige Zentrumspartei gewesen. D.h. eher liberal als sozialliberal.)
Der Streit dauerte noch die nächsten Monate. Gerüchte über neue Staatsstreiche lagen in der Luft, Arbeiterorganisationen demonstrierten als Vertreter beider Seiten, und Mahanikay Mönche agitierten gegen die monarchistischen Thammayut Mönche die die Sangha kontrollierten. (Anmerkung: Sangha ist so viel wie die Gesetz gebende Versammlung aller Buddhistischer Mönche in Thailand.) In der Zwischenzeit suchte der König nach internationaler Unterstützung. Er bat den britischen Finanzberater der Regierung, James Baxter, andere internationale Berater zur Abdankung zu bewegen, um Druck auf die Regierung auszuüben. Lesen können wir das in „Luang Wichit“ (Barmé). Der König wiederholte gegenüber Baxter, dass seine stärkste Waffe die Drohung mit der Abdankung wäre. „..Die Revolutionäre müssen nur des Königs habhaft werden um jedwede Art von Bewegung, die die Monarchie wieder zu altem Glanz verhilft, zu verhindern. … Wenn der König frei und entfernt wäre, bereit eine Revolte anzuführen, müssten sie vorsichtiger sein …“ Ich denke wir können Baxter in dieser Hinsicht glauben und letztendlich wurde es durch die folgende Geschichte bestätigt.
Mitglieder der Nationalversammlung antworteten mit einem beispiellosen Antrag, nämlich den König abzusetzen, und Arbeiterführer erhoben Verleumdungsklage gegen Prjadhipok wegen seines Angriffs auf Pridi. Allerdings wurden diese Aktionen durch die Regierung blockiert weil es sich um Angriffe auf den Status eines unberührbaren Königs handelte.
Pridis Rückkehr trieb die Ereignisse Dinge auf die Spitze.
Am 12. Oktober 1933 putschten monarchistische Armeeoffiziere unter dem Armeechef der alten Regierung von vor 1932, Prinze Bowaradej. Phibun Songkhram leitete den Gegenangriff und das Land stürtzte in einen blutigen Bürgerkrieg, Bomben die auf Bangkok fielen und Straßenkämpfen in vielen Städten Thailands.
Beide Seiten suchten die Unterstützung des Königs, physische Beherrschung des Königs wurde als Sieg in dieser Zeit angesehen. Wieder bequem in Hua hin, behielt Prajadhipok den Anschein der Neutralität. Die Niederlage von Bowaradej voraussehend, zog er sich mit dem Hofstaat an die Grenze zum britisch kontrollierten Malaysia zurück. Nach zwei Wochen heftiger Kämpfe erklärte Phibun den Sieg. Eine Reihe von Rebellen wurde getötet und Bowaradej floh ins Ausland. Der Bürgerkrieg beendete die Bereitschaft der Volkspartei mit dem Palast zusammen zu arbeiten. Einige Wochen nach der gescheiterten Rebellion verkündete Prajadhipok Pläne ins Ausland zu gehen, angeblich um seine Augen behandeln zu lassen. Aber bis ende 1933 verließ er das Land nicht.
Am 12. Januar 1934 schiffte der König nach England aus, und zwar mit dem größten Teil des Hofes. Er ließ Prinz Naris, den 70-Jahre alten Sohn von König Mongkut als Regent zurück. Von London aus stellte er ein Ultimatum. Als Gegenleistung für seine Rückkehr, wollte der König größere konstitutionelle Macht, einschließlich des Rechts, die Hälfte der Nationalversammlung zu ernennen, das königliche Budget zu verwalten und ein Vetorecht zu erhalten, welches nur mit 75% iger Mehrheit überstimmt werden konnte.
Gegen dem Plan der Regierung die Teilnehmer an dem blutigen Versuch eines Umsturzes zu exekutieren, bestand der König darauf, bei Kapitalverbrechen traditionell die letzte Entscheidung zu haben und in dieser Funktion wollte er die Freilassung der Bowaradej Rebellen erwirken. Ohne dieses Zugeständnis, so sagte er, würde er abdanken und sein königliches Eigentum, einschließlich der Paläste, des Smaragd-Buddha, verkaufen, wie man in einem Bericht der New York Times vom 22. Januar 1935 lesen kann. Die Times berichtete, dass der König über ein jährliches Einkommen von 500,000 Pfund Sterling verfügte. Dies wurde vom Palast nie dementiert.
Die Regierung in Bangkok lehnte jeden Punkt des Ultimatums ab, denn jetzt hatte man sich von der Angst vor königlichen Sanktionen befreit. Als Konsequenz dankte der König zu Beginn des März 1935 ab. „Es bleibt nichts als Bitterkeit“, schrieb er. Er würde im Exil in Europa für den Rest seines Lebens bleiben. Als er auf die Krone verzichtete, machte Prajadhipok einen eleganten letzten Anspruch auf königliche Überlegenheit geltend. Sein Argument wurde später ein Grundstein des königlichen Ansehens in der Regentschaft seines Neffen Bhumibol: „Ich empfinde, die Regierung und die regierende Partei nutzt Verwaltungsmethoden, die unvereinbar mit individueller Freiheit und den Rechtsprinzipien sind.“ Der König schrieb weiter: „Ich bin gewillt, die Macht die ich früher ausgeübt hatte, an die Bürger als Ganzes zu übertragen, aber ich werde sie nicht an eine Einzelperson oder eine Gruppe übergeben, die ohne auf die Stimme des Volkes zu hören, die Macht in autokratischer Weise benutzt.“
Interessanterweise bedeutete Prajadhipok’s Brief eine Wende in der Auslegung der Monarchie, was königliche Werte seien. Statt Thotsaphit Rachatham, die zehn königlichen Gebote, die immer wieder als Leitlinie eines guten Monarchen zu dienen hatten, wollte er jetzt als Führer moderner demokratischer Konzepte und Freiheit auftreten. Die Regierung veröffentlichte ihre Antwort, in der seine Behauptungen bestritten wurden. Dies war wieder eine Beleidigung des Königs und ein Zeichen, dass er seine Unberührbarkeit verloren hatte.
Im Anschluss an den Bürgerkrieg erhielt Pridis Rival in den Reihen der Revolutionäre, der den militärischen Flügel anführende Phibun Songkhram, auch die Unterstützung von vielen zivilen Anhängern Pridis, weil sie das Gefühl hatten, dass nur Waffen die junge werdende Demokratie vor einem Rückfall in den Feudalismus schützen könnten.
Mit anderen Worten: Ohne den Aufstand und den von den Monarchisten betriebenen Bürgerkrieg wäre eine große Chance entstanden, dass Thailand eine zivile, pluralistische und demokratische Gesellschaft geworden wäre. Sieht man die große Anhängerschaft Pridis schon kurz nach der Revolution und seine im Prinzip aus Sicht der Democrat Party „populistischen Politik“, die seinen Ruf über die Kreise der Intellektuellen Bangkoks hinaus bekannt machte, wäre es wesentlich schwerer für das Militär gewesen, die Vorherrschaft zu übernehmen. Und wären die Sozialprogramme Pridis realisiert worden, wäre ein Widererstarken weder notwendig gewesen, weil die Legitimation aus der Zustimmung des Volkes gekommen wäre, und keine Monarchie mehr dazu notwendig war (im Gegensatz zu den Generälen, die immer eine Legitimierung durch die Monarchie benötigten) und die Monarchie hätte eine andere Rolle gespielt, als ihr von den Generälen ermöglicht.
Jedoch bleibt immer noch der Tod von König Ananda im Raum, der gegen Pridi eingesetzt wurde. Aber das wird später noch eingehender beleuchtet werden.
--- wird fortgesetzt -----
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