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(Mark Teufel, 28.01.2011) Als in Thailand die Scharfschützen der Armee Demonstranten und Passanten erschossen und der Premierminister die unbewaffneten Opfer Terroristen nannte, schwieg die „freie Welt“.
Als abzusehen war, dass mit gewalttätigen Demonstrationen in Tunesien ein Regime gestürzt wird, jubeln die Länder, dass es eine demokratische Revolution gäbe. Obwohl Ben Ali die Demonstranten, die mit gleichen Mitteln kämpften wie die in Bangkok, ebenso Terroristen nannte. Sie überschlagen sich im Einfrieren von Konten ihrer bis dahin besten Kunden. Und nun, da in Kairo noch unklar ist, ob der Aufstand nieder geschossen wird, oder ob Demonstranten in der Lage sein werden, mit Gewalt das Regime zum Rücktritt zu zwingen, schweigen die USA ebenso wie die meisten Länder der EU.
Höflich nennt man dies vermutlich „diplomatische Zurückhaltung“. Direkter könnte man es auch Unfähigkeit zur Parteiergreifung zugunsten der eigenen Prinzipien, die in Sonntagsreden regelmäßig beschworen werden, nennen. Die nächste Wahl im Auge, auf die nächste Parteispende hoffend, die eigene Karriere im Hinterkopf, zeigen westliche Politiker wieder und wieder ihren Pragmatismus, man könnte es auch Prinzipienlosigkeit nennen. China wird der Hof gemacht um die Steigerung des Bruttosozialprodukts nicht zu gefährden, obwohl die neue Aristokratie das eigene Land eisern unterdrückt, und mit den schlimmsten Diktatoren der Welt zusammen arbeitet, ja sie gar im Sicherheitsrat des "Papiertigers" UN beschützt.
Und man sieht auch wie unterschiedlich die Medien Zusammenhänge beurteilen. In den arabischen Ländern gehen die Sicherheitskräfte „mit äußerster Brutalität“ gegen die Demonstranten vor. Was wäre eine angemessene Bezeichnung des Vorgehens der Sicherheitskräfte Thailands gewesen ? Als eine Invasionsarmee, so groß wie der Teil der britischen Armee, die in den Irak einmarschierte, das Zeltlager der weitgehend unbewaffneten Demonstranten auf der Kreuzung Ratchaprasong, mit einem Waffeneinsatz wie bei der Bekämpfung einer feindlichen Invasion, stürmte ?
Fast nichts wurde gesagt, angeblich weil es „bewaffnete Kräfte“ zwischen den Demonstranten gegeben hätte. Leider wurden weder nennenswerte Waffen noch die bewaffneten Kämpfer gefangen genommen oder getötet. Die Getöteten waren ausschließlich unbewaffnet gewesen. Ein Sekunden dauernder Videoclip zeigt einen angeblichen „Terroristen“ der auf Soldaten schießt, freilich ohne einen zu verletzen. ( Was nicht heißt, dass es nicht auch gewaltbereite Demonstranten und auch Anschläge gab, ebenso wie jetzt in Tunesien und in Kairo. )
Dann schwieg die Welt als hunderte von angeblichen „Terroristen“ inhaftiert, gefoltert, verschleppt und sogar getötet wurden. Es ist besser, sich an den Sieger zu halten, schienen sie einige zu sagen und schwiegen tapfer weiter.
In keinem der arabischen Länder, in denen Unruhen entstanden, gingen die Streitkräfte mit voller Militärausrüstung und Bewaffnung und mit Scharfschützen gegen die Demonstranten vor wie in Thailand. Und trotzdem werden sie härter kritisiert. Man lernt: Thailand gehört zum Lager der „Freunde“, arabische Regime sind Zweckverbündete, die man innerhalb von 24 Stunden fallen lassen kann wie eine heiße Kartoffel.
Wenn Demonstranten Häuser anzünden, müssen sie bestraft werden. Angemessen und unter Berücksichtigung der Vorgeschichte. Wenn Soldaten Menschen erschießen, müssen Sie dafür zur Verantwortung gezogen werden. Angemessen und unter Berücksichtigung der Befehlslage. In keinem Land der Welt wird diese Regel beherzigt. „Der Gewinner bekommt alles“. Wer gewinnt, hat recht und bleibt straffrei. Wer verliert spürt die volle Härte einer ungerechten Justiz. Und genau dieses Vorgehen erzeugt so viel Hass und Spannungen, dass die nächsten Unruhen schon vorprogrammiert werden. Und auf der anderen Seite sind unter solchen Vorzeichen Gewalt und Kämpfe noch viel härter, denn jeder weiß, wenn er verliert, verliert er alles.
Thailands Herrscher schauen nach Tunesien und Ägypten und werden sich sagen: „Warum schießt das Militär nicht einfach auf die Terroristen ?“ Sie selbst haben bewiesen, dass sie nicht zögern werden, notfalls auch tausende von Menschen zu töten. In einem Internetblog, der allgemein als „gut informiert“ gilt ( ThaiIntelligence ), dessen Betreiber, ein Journalist, den Coup gegen Thaksin Shinawatra voraussagte, beschreibt die Tatsache, dass Kompanien von Scharfschützen bereit stehen sollen, um gezielt die Anführer von Demonstrationen „auszuschalten“. Die Annahme des Regimes: Durch einige hundert Tote wird der Widerstand zusammen brechen, dies ist eine durchaus glaubhafte Darstellung. Konnte man doch in den größten Tageszeitungen Thailands lesen, dass die Democrat Party einige hundert Tote, unbewaffnete Zivilisten, als Opfer des letzten Massakers einkalkuliert und von vornherein akzeptiert hatten. Nur um Wahlen zu diesem Zeitpunkt zu verhindern und dadurch an der Macht zu bleiben. Freunde des Westens, Freunde der „freien Welt“.
In dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, iist in Ägypten noch nichts entschieden. Und wenn die Armee sich ähnlich brutal verhalten würde wie die in Thailand, wäre der Aufstand der Massen vermutlich schnell nieder geschlagen. Warten wir ab, ob es passieren wird. Die Sprachlosigkeit der westlichen Politiker könnte ein solches Vorgehen ermutigen, so wie es die Machthaber in Thailand ermutigte.
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.....als 100 Demonstranten und 2000 Verletzte (zum Teil werden sie ewige Krüppel bleiben) vom Militär in Bangkok-City erschossen wurden ?
Die ägyptischen und tunesischen Demonstranten die um ihre Freiheit kämpfen werden von Amerika und Europa tatkräftig unterstützt.
Warum fehlte die internationale Unterstützung für Thailand ?